Mit MCP Servern Anwendungen in Tools wie OpenCode, Claude Code o.ä. integrieren.
Die aktuellen KI Tools sind extrem leistungsfähig. Wie wäre es, wenn die KI deine eigenen Anwendungen steuern kann, um daraus bspw. Daten abzurufen und diese zu verarbeiten? Dazu musst du lediglich einen MCP Server implementieren. Zwei Beispiele aus meinem Alltag:
Buchhaltung
Ich bitte die KI, die Buchhaltung darauf zu überprüfen, ob die Belege vollständig vorliegen. Als Ergebnis erhalte ich eine Liste von Buchungssätzen, zu denen kein Beleg vorliegt. Das verkürzt die Zeit, die ich für die Umsatzsteuervoranmeldung benötige um ca. 1h.
Trainingsverwaltung
Die KI kann für mich ermitteln, welche Trainings ein Kunde bei der CCD Akademie durchgeführt hat. Das geht auch über die Benutzeroberfläche, ist aber in einer Anfrage auf deutsch schneller durchgeführt. Ferner kann das Ergebnis bspw. in einer Exceltabelle abgelegt werden.
Serviceorientierung
In den 90er Jahre kam die Idee der Service-orientierten Architektur (SOA) auf. Anwendungen verschiedener Hersteller sollten damit so integriert werden können, dass Nutzer über Anwendungen hinweg ihre Geschäftsvorfälle damit abdecken können. Die Integration von Auftragsdaten in der einen Anwendung mit Buchhaltungsdaten in einer anderen würde es möglich machen, Abläufe über Anwendungsgrenzen hinweg zu automatisieren. Praktische Relevanz hat diese Idee kaum erreicht, da die Integration viel zu komplex war. Zwar gab es Standards, doch die Umsetzung war sehr aufwendig und lohnte sich nur für große Firmen. Klein- und mittelständische Unternehmen konnte daraus praktisch keinen Nutzen ziehen.
Durchbruch der KI
Dann geschieht etwas unerwartetes: plötzlich kommt die KI in großen Schritten voran, Anthropic definiert den MCP Standard, und Dinge werden möglich, von denen wir in den 90ern geträumt haben. Ich kann jetzt mit der KI über meine Buchhaltungsdaten sprechen und Belege oder Kontoauszüge mit einbeziehen. So kann ich Aufgaben automatisieren, ohne Programmieraufwand. Damit sind plötzlich auch für Sachbearbeiter ohne tiefe IT Kenntnisse Integrationen möglich. Doch der Reihe nach.
Model Context Protocol (MCP)
Anthropic, Hersteller von Claude Code, hatte die Idee, zur Einbindung verschiedenster Anwendungen ein Standardprotokoll zu definieren. So entstand das Model Context Protocol, kurz MCP. Vereinfacht gesagt funktioniert das so:
- Eine KI nutzt ihren MCP Client und befragt einen MCP Server nach der Liste der Tools, die dieser anbietet (tools/list).
- Der MCP Server antwortet mit einer strukturierten Information, die jedoch im Wesentlichen aus Text besteht.
- Die KI entwickelt einen Plan, wie sie die vom MCP Server angebotenen Tools nutzen kann, um damit die geforderte Aufgabe zu erfüllen.
- Die KI weist den MCP Client an, Aufrufe an den MCP Server zu senden und dabei die notwendigen Parameter einzusetzen (tools/call).
MCP ist eine Protokolldefinition, die es uns ermöglicht, beliebigen KI Systemen die Funktionalität einer Anwendung zur Verfügung zu stellen. Einzige Voraussetzung: das KI System muss über einen MCP Client verfügen um damit MCP Server ansprechen zu können. Und natürlich müssen die zu nutzenden Anwendungen einen MCP Server bereitstellen.
KI Tools wie OpenCode, Claude Code etc. verfügen natürlich über einen MCP Client. Und viele Entwicklerwerkzeuge wie IDEs, Versionskontrolle etc. verfügen über MCP Server. Ein spannendes Feld ist jedoch die Integration von Anwendungen fernab der Softwareentwicklung.
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Praktische Beispiele
Ich verwende für meine Buchhaltung eine Desktop Anwendung: Monkey Office. Diese verfügt über eine API, die über HTTP angesprochen werden kann. Das verwendete JSON Format ist zwar gruselig, aber man kommt an fast alle Daten ran. Insbesondere kommt man so an die Buchungssätze. Eine oft gestellte Frage lautet: existiert zu jedem Buchungssatz ein Beleg? Das Problem könnte ich mithilfe der bereitgestellten Programmierschnittstelle lösen, indem ich ein Programm schreibe: einfach die Buchungssätze abrufen und nach bestimmten Kriterien in einer Verzeichnisstruktur nach PDF Dateien suchen.
Doch dann kämen, vor allem zu Beginn, ständig neue Anforderungen um die Ecke, die ich einzeln im Programm umsetzen müsste. Ein Beispiel: der monatliche Buchungssatz für die Entrichtung der Umsatzsteuer verfügt nicht über einen eigenen Beleg. Oder der Ausgleich einer PayPal Zahlung gegen das Girokonto. So gibt es viele Buchungssätze, für die im Programm Ausnahmen definiert werden müssten.
Mit der KI und einem MCP Server sieht die Lösung ganz anders aus. Ich beschreibe der KI die Aufgabe in natürlicher Sprache. Dazu schreibe ich meine Anforderungen in eine Markdown Datei. Diese lässt sich für mich gut schreiben und für die KI leicht interpretieren. Markdown hat sich als Standard für diverse Dateien etabliert, die von KI Tools verwendet werden. Dadurch, dass ich meine Anforderungen in einer Datei ablege, kann ich sie immer wieder an die KI übergeben und diese bspw. bitten, den Belegabgleich für den Januar 2026 durchzuführen. Im nächsten Monat beauftrage ich sie erneut und verwende dabei die einmal erstellte Aufgabenbeschreibung. Diese kann dann leicht ergänzt werden um weitere Details, die über die Monate zum Vorschein kommen.
Das Schlüsselelement ist hier der MCP Server für den Zugriff auf die Buchhaltungssoftware.
Einen eigenen MCP Server implementieren
Den Monkey Office MCP Server habe ich mir selbst gebaut. Um genauer zu sein: ich habe ihn in weiten Teilen von Claude Code und OpenCode bauen lassen. Das war kein Vibe Coding eines Anfängers, sondern ich musste der KI an diversen Stellen auf die Finger klopfen und Tipps geben. Jedoch stand am Ende ein MCP Server, mit dem ich nun auf Monkey Office zugreifen kann. Mein zeitlicher Aufwand lag bei ca. 4 Stunden. Die Kombination aus Clean Code und KI hat mich zum Ziel geführt.
Da die KI sich aus den zur Verfügung stehenden Tools bedienen kann, stellt sie selbständig fest, dass sie eine Liste der Buchungen abrufen kann. Sie stellt ferner fest, dass sie dabei filtern kann bspw. nach einem Datumsbereich oder bestimmten Soll- oder Habenkonten. Somit kann ich Ausnahmen ganz leicht in natürlicher Sprache formulieren:
Sind Soll- und Habenkonto aus dem Bereich 18xx, handelt es sich um eine Umbuchung und es braucht kein Beleg gesucht zu werden.
Das schreibe ich in wenigen Sekunden hin und es funktioniert. Müsste ich diese Ausnahme programmatisch umsetzen, wäre das zwar auch eine leichte Aufgabe, würde aber mindestens 10 – 15 Minuten dauern. Und das beste daran: eine solche natürlichsprachliche Regel kann auch jemand aus der Fachabteilung schreiben, der über keinerlei Programmierkenntnisse verfügt.
Allerdings: bei aller Euphorie muss das Resultat natürlich fachlich geprüft werden. Das ist ähnlich wie beim Programmieren. Auch hier muss ich Tests schreiben, um das Resultat zu prüfen. Bei Verwendung der KI erfolgt meine Prüfung bislang „zu Fuß“.
Potenzial
Ich sehe hier großes Potenzial. Durch die standardisierte Bereitstellung einer Programmierschnittstelle können KI Tools auf praktisch jede Anwendung zugreifen. Damit entsteht endlich die Integration, von der wir in den 90er Jahren geträumt haben. Es sind keine Spezialkenntnisse notwendig. Ganz im Gegenteil: Domänenkenntnisse stehen im Vordergrund. Je besser ich der KI meine Aufgabenstellung beschreiben kann, desto besser fällt das Ergebnis aus.
Ob nun MCP auf Dauer der Standard bleibt, sei dahin gestellt. Derzeit ist es das Protokoll der Wahl. Einen MCP Server zu programmieren, ist grundsätzlich einfach. Ich habe dies für Monkey Office mithilfe von Microsofts NuGet Paket ModelContextProtocol erledigt. Existiert bereits eine API für die anzubindende Anwendung, ist es damit ein Kinderspiel.
MCP Server integrieren
Schwieriger wird die Sache, wenn man den MCP Server direkt in seine eigene Anwendung integrieren möchte. Das ist nur dann leicht, wenn die Anwendung eine saubere Struktur hat. Alle Tools, die über MCP bereitgestellt werden sollen, sind bestenfalls bereits über eine Methode innerhalb der Codebasis erreichbar.
Auch hierzu ein Beispiel. Ich habe für die Akademie eine Trainingsverwaltung geschrieben, in der wir alle Trainings hinterlegen. Das bietet unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Vorteil, dass wir auf diese Weise einen Link bereitstellen können, unter dem alle relevanten Details zum Training abgerufen werden können. Etwa die Agenda, die Trainingszeiten, Übungsaufgaben, Musterlösungen, der Link zum Zoom Meeting, usw. Die Anwendung ist mit ASP.NET Core und Blazor implementiert.
Um ein neues Training anzulegen, musste ich mich bislang in der Trainingsverwaltung anmelden und die relevanten Daten in ein Formular eingeben. Das dauert zwar nur wenige Minuten, war aber bislang nicht automatisierbar oder in andere Anwendungen integrierbar.
Nun habe ich in der Trainingsverwaltung einen MCP Server implementiert, mit dem die KI auf die benötigten Daten zugreifen kann. So kann ich jetzt natürlichsprachlich formulieren:
Lege für den Kunden xy ein Training Clean Code Developer Basics an. Trainer ist SL und die Zeiten sind 02.03./09.03./16.03. jeweils von 9 bis 17 Uhr.
Eine große Erleichterung ist dabei, dass die KI selbst herausfindet, dass die drei Trainingstermine jeweils einzeln im Format JJJJ-MM-TT HH:MM HH:MM angegeben werden müssen. Sie erstellt die Parameter für den MCP Aufruf selbständig und in wenigen Sekunden ist das Training angelegt.
Ebenfalls faszinierend: zur Anlage eines Trainings sind drei Ids erforderlich: Kunde, Seminar und Trainer werden über ihre jeweilige Id spezifiziert. Die KI muss also zunächst herausfinden, welche Id der genannte Kunde hat. Ferner müssen die Ids des Seminars und des Trainers ermittelt werden. Die KI entdeckt selbständig, dass dies mithilfe von Tools des MCP Servers bewerkstelligt werden kann und ruft diese entsprechend auf. Erst wenn sie alle benötigten Daten zusammen hat, ruft sie das Tools zu Anlage eines neuen Trainings auf.
Die KI erarbeitet sich den Lösungsweg für die gestellte Aufgabe selbständig. Darin besteht das große Potenzial. Die Produktivität wird damit stark erhöht. Ich kann plötzlich Aufgaben in einem Bruchteil der sonst benötigten Zeit erledigen. Vor allem aber können nun verschiedene Anwendungen integriert werden. Der nächste Schritt könnte folgendes sein:
Erstelle eine Rechnung für den Trainingstag 04.02.26. Lege mir das PDF zur Kontrolle vor und frage mich nach Freigabe. Sobald ich die Rechnung freigegeben habe, maile sie dem Kunden.
Klingt utopisch? Technisch ist das keine Herausforderung mehr. Sofern die benötigten Tools über MCP Server erreichbar sind, kann die Aufgabe von der KI gelöst werden. Wichtig ist hierbei, den sogenannten Plan Mode von Claude Code oder OpenCode zu verwenden. Dadurch präsentiert die KI zunächst ihren Plan, wie sie die Aufgabe umsetzen will und stellt ggf. Rückfragen. Das bringt Sicherheit. Ultimativ sollten die Details zu einer solchen Aufgabenbeschreibung im System hinterlegt werden, bspw. im Rahmen sogenannter Skills. Hier können dann bspw. Vorgaben für den Emailtext liegen oder andere wichtige Details. Je präziser die Aufgabe beschrieben ist, desto besser die Lösung.
Fazit
MCP Server waren vielleicht ursprünglich geplant, um den KI Codingtools die benötigten Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Doch es lassen sich damit natürlich auch andere Use Cases realisieren. KI Tools wie Claude Code oder OpenCode laufen auf meinem Rechner und damit steht ihnen das Dateisystem zur Verfügung. Ich kann also bspw. PDF Dateien einbeziehen und so einen Abgleich zwischen der Buchhaltung und einem Kontoauszug vornehmen, ohne eine Zeile Code zu schreiben.
Unsere Aufgabe als Entwickler ist es dabei, die benötigten MCP Server bereitzustellen. In unseren Trainings zeigen wir dir gerne, wie du deine Anwendung so strukturierst, dass solche Aufgaben leicht zu bewerkstelligen sind.






